Pressemitteilung: Streit ums Impfen: Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege warnt vor gesellschaftlicher Spaltung

Wenn Freundschaften und Vereine zerbrechen

Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege sieht wegen der aktuellen Corona-Entwicklung den sozialen Frieden in großer Gefahr. „Zwischen Impfverweigerern und Geimpften ist ein tiefer Riss entstanden, der sich leider auf sehr vielen Ebenen bemerkbar macht“, sagt der Vereinsvorsitzende Dr. Olaf Heinrich. In der öffentlichen Wahrnehmung sei dieses gravierende Problem bislang leider zu wenig thematisiert worden. Bei Impfgegnern handle es sich oft um Corona-Leugner. Die Auseinandersetzungen zwischen ihnen und Personen, die sich durch Impfungen am Kampf gegen die Pandemie beteiligen, habe konkrete und erschreckende Auswirkungen auf das soziale Zusammenleben. „Das fängt bei Vereinen und Betrieben an und wirkt sich auf den Schulunterricht und sogar auf Familien aus“, sagt Heinrich. „Heimat bedeutet Gemeinschaft. Deshalb müssen wir als Heimatpfleger die Bewahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts als Zielsetzung aufgreifen und seiner zunehmenden Zersetzung entgegenwirken.“

Der Landesverein regt ein breites Bündnis aus Verbänden und Vereinen an. Dieses Bündnis soll sich unter anderem über soziale Medien für einen gemeinsamen Kampf gegen die Pandemie und für Impfungen engagieren. „Der Spaltpilz findet in den sozialen Medien den idealen Nährboden, dort muss auch gegen ihn vorgegangen werden, damit er nicht alle anderen Positionen überwuchert“, sagt Dr. Rudolf Neumaier, Geschäftsführer des Landesvereins. „Wir müssen ein Solidaritätsgefühl wecken, um mit rationalen Argumenten den Falschdarstellungen und der Angstmacherei entgegenzuwirken.“ Die Politik, die derzeit stark mit sich selbst beschäftigt sei, könne das dafür nötige Bewusstsein in der Bevölkerung kaum allein erzeugen.

Neumaier berichtet von Beispielen, die an ihn herangetragen wurden:

  • Blasmusikkapellen sind in ihrem Fortbestand bedroht, weil einzelne Musiker die Impfung verweigern
  • Jahrzehntelange Freundschaften zerbrechen an der überhitzten Unversöhnlichkeit der Ansichten
  • Fußballmannschaften verlieren Mitspieler, die lieber aufs Hallentraining verzichten als sich impfen zu lassen
  • Die Einsatzbereitschaft von Feuerwehren ist eingeschränkt, weil einzelne Mitglieder ungeimpft sind und sich nicht testen lassen wollen und daher nicht an Einsätzen teilnehmen können
  • Geimpfte und ungeimpfte Schülerinnen und Schüler mobben sich gegenseitig und greifen sich verbal an
  • Eine Mutter (Gastwirtin), die sich heimlich impfen ließ, muss vor ihrer Tochter (Impfgegnerin) den Impfausweis verstecken, um Streit zu vermeiden

„Solche Geschichten kann inzwischen wohl jeder erzählen. Sie geschehen bisher unterhalb der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle, haben aber langfristig gefährliche Folgen für unsere Gesellschaft“, sagt Dr. Olaf Heinrich. Der Vorsitzende des Landesvereins ist Bürgermeister der Stadt Freyung im Bayerischen Wald und Bezirkstagspräsident von Niederbayern.

 

Hintergrund

Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e.V. kümmert sich seit seiner Gründung im Jahr 1902 um Landeskultur, um Heimat-, Denkmal- und Baupflege, Volksmusik, Bräuche, Trachten und Mundart in Bayern. Das Leitbild des Landesvereins, die Heimat zu schützen, bedeutet nicht nur, sie zu bewahren und zu pflegen, sondern sie auch verantwortungsvoll weiterzuentwickeln.

 

Ansprechpartnerin

Dr. Daniela Sandner

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

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